Roadtrip Albanien – Meine Erfahrungen

Noch bevor die erste Tankquittung zerknüllt im Fußraum landet und der Wagen nach Südosten zieht, gehört ein Moment Klarheit dazu: Vorbereitung.

Albanien ist geduldig, ja. Aber Nachlässigkeit rächt sich irgendwann.

Ich habe mir damals keine schnurgerade „A-nach-B“-Strecke zusammengeschoben, sondern bewusst Schlaufen und Abzweige eingebaut. Extra. Zwischen den bekannten Namen steckten bei mir kleine Markierungen, Orte ohne hübsche Fotogalerie, manchmal nicht mal mit sauberem Eintrag auf Google. Ausgerechnet dort passiert dann häufig das, wofür man überhaupt losfährt – und nicht am nächsten Spot, den alle schon auswendig kennen.

Die Route entstand aus einem ziemlich bodenständigen Mix: Online-Karten, ein angestaubter Reiseführer aus dem Regal, dazu ein paar Blogtexte, die nicht wie Prospekt klingen. Tirana stand natürlich drauf. Berat ebenfalls. Saranda auch – logisch. Und dann: Dörfer, deren Namen ich mir bis heute nur mit Anlauf merken kann. Was viele gern kleinreden, ist die Schlaf-Frage. Ich wollte eben nicht jeden Abend dieselbe Sorte Unterkunft. Mal ein Hotel, das wirklich eine heiße Dusche hat. Mal ein Hostel, in dem an der Rezeption mehr Geschichten hängen als Schlüssel. Mal ein Airbnb bei Leuten, die dir abends wortlos ein Glas Rakija hinstellen, als wäre das eine Art Begrüßungsformular. Bewertungen? Gelesen, klar. Aber nicht angebetet. Wenn sich etwas komisch anfühlte, war mein Bauch meist der bessere Prüfer als die Sternezahl.

Dann der Kram, den niemand romantisch findet: Führerschein, grüne Versicherungskarte, Mietwagenklauseln, Kleingedrucktes. Ich habe das vorher abgearbeitet. Punkt. Wer das bis „wird schon“ liegen lässt, zahlt unterwegs – nicht zwingend mit Geld, aber mit Nerven. Und die sind auf solchen Fahrten ohnehin eine Währung.

Was bei mir am Ende hängen blieb

  • Ohne Plan wird’s nicht „wild“, sondern schlicht anstrengend.
  • Hier liegen Strand, Ruinen und Gegenwart oft in derselben Serpentine.
  • Essen ist kein Lückenfüller – es strukturiert den Tag.
  • Im Verkehr bringt Gelassenheit mehr als der moralische Sieg.
  • Der Grund fürs Wiederkommen sind selten die Orte, sondern die Leute.

Stationen, die nicht nur Punkte auf einer App sind

Tirana hat mich nicht mit dem ersten Blick gekriegt. Es dauerte. Nach ein paar Stunden erst hat es „klick“ gemacht. Der Skanderbeg-Platz wirkt auf Bildern gern monumentaler, als er sich anfühlt – und genau deshalb ist er angenehm: weniger Feierlichkeit, mehr Alltag. Fassaden, die sich nicht entscheiden wollen, ob sie knallig oder bröckelig sein sollen. Cafés mit ernsthaftem Espresso. Verkehr, der akustisch permanent kommentiert, was er tut. Ich bin losgezogen ohne Plan, habe mich treiben lassen, einen Kaffee nach dem nächsten genommen und einfach geschaut, wer da so durch den Tag läuft. Im Nationalmuseum blieb ich länger stehen als vorgesehen, besonders bei den Kapiteln zur jüngeren Geschichte. Kein leichtes Material. Aber man versteht das Land schlechter, wenn man es auslässt.

Berat dagegen: leise. Fast störrisch ruhig. Die weißen Häuser hängen am Hang, als würden sie sich gegenseitig festhalten, damit nichts rutscht. Gassen, die schmal sind, schief, ungeschminkt – und gerade deshalb überzeugend. Oben an der Burgmauer hatte ich diesen simplen Gedanken: Genau deswegen sitze ich in diesem Auto und nicht irgendwo zu Hause. Diese Mischung aus Landschaft und Vergangenheit wird einem nicht hingelegt wie ein Menü. Man muss sie sich erlaufen. Schritt für Schritt.

Essen. Ja, das Thema ist größer, als es klingt.

Ich fuhr ohne große kulinarische Erwartungen los. Das war ein Fehler – meiner. Tavë Kosi war der Einstieg: Lamm, Joghurt, Ofen. Drei Wörter, keine Show. Und gerade deshalb funktioniert es so gut. Kein überkandideltes Drumherum, kein Deko-Theater. Später an der Küste wurde es fischlastig. In Saranda saß ich in einem Laden, der aussah, als hätte man ihn aus einem besseren Geräteschuppen zurechtgezimmert. Der Fisch: morgens aus dem Wasser, abends auf dem Teller. Ende der Geschichte. Zitrone drüber, fertig. Ich habe selten etwas gegessen, das so wenig erklären musste.

Fahren: zwischen Improvisation und Bauchgefühl

Albaniens Straßen prüfen, ob man bei der Sache ist. Die großen Verbindungen sind oft ordentlich. Sobald man abbiegt, ändert sich der Ton. Schlaglöcher, Schotterpassagen, plötzlich eine Kuh, die den Fahrplan nicht gelesen hat. Ich war dankbar für ein Auto mit etwas Bodenfreiheit – nicht, weil man ohne nicht durchkommt, sondern weil es den Puls senkt. Tirana selbst ist eine eigene Disziplin: kontrolliertes Chaos. Regeln sind da, sie werden nur… kreativ ausgelegt. Ich bin defensiv geblieben, habe viel beobachtet, wenig gehupt. Überraschend effektiv.

Schilder? Mal so, mal so. GPS war mein Dauerbegleiter, Offline-Karten mein Rettungsring, wenn das Netz dünn wurde. Und dann: Zeit. Wirklich Zeit. Puffer einbauen. Irgendetwas schiebt sich immer dazwischen. Immer.

Küste – schön, ja. Aber nicht im Postkarten-Kitsch ertränkt.

Kriterium Einordnung Mein Eindruck Hinweis
Straßen Neu asphaltiert bis „halte den Atem an“ Gerade Landstraßen verlangen Konzentration Tempo reduzieren, nicht diskutieren
Verkehr Sprunghaft, selten wirklich giftig In Städten wird’s schnell dicht und laut Vorausschauend fahren, nicht provozieren
Benzin Meist bezahlbar Außerhalb: Tankstellen können rar sein Nicht auf Reserve pokern
Highlights Meer, Berge, alte Steine mit Geschichte Riviera und Berat bleiben besonders präsent Strecken nicht „abarbeiten“
Schlafen Von schlicht bis geschniegelt Gästehäuser haben oft mehr Charakter Im Sommer rechtzeitig sichern
Sprache Albanisch dominiert klar Englisch klappt häufig, aber nicht überall Ein paar Wörter öffnen Türen

Ksamil war beinahe zu hübsch: heller Sand, Wasser in dieser unrealistischen Farbe. Ich bin trotzdem geblieben. Den ganzen Tag. Dhermi fühlte sich dagegen kantiger an – mehr Felsen, mehr Wind, mehr Platz zwischen den Leuten. Dort bin ich mit dem Kajak raus, habe Buchten gesehen, die auf keiner Hochglanzliste stehen und teilweise nicht mal einen Namen tragen. Genau die Sorte Ort, für die ich Umwege einbaue.

Übernachten: mal Aussicht, mal Stimmengewirr

Anonym war ich selten untergebracht. In Berat stand ich morgens mit Kaffee auf einer Terrasse, Blick zur Burg, der Kopf erstaunlich still. In Saranda dann das andere Extrem: Meer vor der Nase, Sonnenuntergang, von der Promenade her Stimmen, Musikfetzen, dieses ständige Kommen und Gehen. Beides hatte seinen eigenen Reiz. Im Sommer gilt allerdings: reservieren. Spontanität endet sonst gern abrupt vor einem „Fully booked“-Schild, das keinerlei Diskussion zulässt.

Geschichte, die nicht hinter Glas bleibt

Vergangenheit ist in Albanien keine Fußnote. Illyrer, Römer, Osmanen – die Schichten liegen übereinander, manchmal buchstäblich. In Tirana habe ich mich durch die Teile zur kommunistischen Zeit gearbeitet. Unbequem. Und gerade darum sinnvoll. Gjirokastër war später der emotionale Gegenpol: Festung, steinerne Häuser, dieses Gefühl, als könnte jede Wand anfangen zu erzählen, wenn man nur lange genug daneben stehen bleibt und zuhört.

Begegnungen, die in keiner Planung stehen

In Berat setzte sich ein alter Mann zu mir. Ohne Vorrede. Er redete über „früher“, wie das Leben war, und sang dann plötzlich ein Lied. Keine Bühne, kein Effekt – nur wir, ein Tisch, ein Kaffee. Auf dem Land wurde ich mehr als einmal in Häuser gebeten und bekam etwas zu essen, obwohl ich nichts bestellt hatte und nicht mal gefragt hatte. Diese Offenheit wirkt nicht wie ein touristisches Programm. Eher wie normaler Alltag. Und genau deshalb bleibt sie hängen.

Natur, ohne dass jemand einen Filter drüberlegt

Die Albanischen Alpen haben mir tatsächlich kurz den Atem genommen. Valbona: rau, grün, still. Ich bin stundenlang gelaufen, kaum Menschen, dafür Tiere und dieses Geräusch von Wind und Wasser, das man in Städten verlernt. An der Riviera dann wieder das Gegenteil – Wasser, Felsen, Windböen, Salz in der Luft. Eine Bootstour brachte mich zu Stränden, die man zu Fuß gar nicht erreicht. Und ja: Das war genau so gut, wie es klingt.

Wenn’s eben nicht rund läuft

Die Bergstraßen waren stellenweise ein Tanz auf schmaler Kante. Fokus ohne Pause. Dafür Ausblicke, die jede Anspannung rechtfertigen.

In Saranda erwischte mich ein Wolkenbruch. Statt mich aufzuregen, bin ich auf den Markt abgetaucht, habe eingekauft und später mit Einheimischen gekocht. Regen ist nervig – und manchmal der Türöffner, den man nicht bestellt hat.

Weshalb sich der ganze Aufwand lohnt

Albanien funktioniert schlecht als Checkliste. Wer nur abhaken will, wird ungeduldig. Wer Umwege akzeptiert, Gespräche zulässt und Pausen nicht als Zeitverlust betrachtet, bekommt viel zurück. Städte, Strände, Berge – alles da, oft näher beieinander, als man denkt. Ich würde wieder losfahren. Ohne großes Abwägen.

Ein Randhinweis, ganz nüchtern: Bei längeren Trips – erst recht im Van – lohnt es sich, die Ausgaben nicht aus den Augen zu verlieren. Eine realistische Orientierung zu monatlichen Vanlife-Kosten hilft bei der Planung: Hier nachlesen. Das spart am Ende Geld. Und vor allem Diskussionen mit sich selbst.

FAQs

Ist Albanien für Roadtrips sicher?

Ja. Mit normaler Vorsicht, besonders nachts und abseits der großen Routen.

Wie ist der Straßenzustand?

Die Spanne ist groß: von ordentlich bis rustikal. Nebenstrecken verlangen Aufmerksamkeit.

Brauche ich ein besonderes Auto?

Nein. Ein bisschen Bodenfreiheit macht vieles entspannter, ist aber kein Muss.

Wie läuft der Verkehr?

Oft unübersichtlich, aber selten aggressiv. Defensives Fahren bringt Ruhe rein.

Welche Orte sollte man einplanen?

Riviera, Tirana, Berat, Butrint, Valbona, Theth.

Wie ist die Tankstellenlage?

In Städten unkompliziert, auf dem Land lieber vorausdenken und früher tanken.

Welche Dokumente brauche ich?

Führerschein, Fahrzeugschein, grüne Versicherungskarte. Ein internationaler Führerschein ist optional.

Wie gut ist das Internet unterwegs?

In Städten meist stabil, in den Bergen kann es Lücken geben.

Gibt es besondere Verkehrsregeln?

Im Prinzip wie in Europa üblich – die praktische Umsetzung variiert allerdings.

Wie bereitet man sich am sinnvollsten vor?

Route grob planen, Offline-Karten herunterladen, Auto checken, Wasser einpacken – und ein paar albanische Wörter lernen.