Erkunde die Kanada Camper Route mit mir

Kanada beginnt für mich nicht da, wo am Airport irgendeine Durchsage mit Dauerlächeln „Welcome“ ins Hallen-Mikro plätschert. Dieses geschniegelt-freundliche Begrüßungszeug klingt nach Hotline: nett gemeint, aber völlig ohne Kante. Mein Kanada startet vorher. Deutlich vorher. Bei mir daheim, am Küchentisch, der leicht wackelt, weil ich seit Monaten so tue, als wäre die eine lockere Schraube ein rein optisches Problem. Auf der Tischplatte: ein Brotmesser, das eher kränkt als schneidet. Daneben ein Kaffeering, der sich wie ein altes Tattoo ins Holz gefressen hat (ich nenne das „Patina“, um mich besser zu fühlen). Über allem: diese Lampe, die so hart ausleuchtet, als stünde gleich eine Betriebsprüfung an. Und mitten in diesem Licht liegt das eigentliche Startsignal: eine Karte. Papier. Keine Push-Nachrichten, kein „Du bist hier“-Blinken, keine schlaue Stimme. Stattdessen Falten, Knicke, Eselsohren – und die herrliche Eigenart, exakt dann aufspringen zu wollen, wenn man gerade nur noch eine Hand frei hat.

Zwischen Krümeln, Koffein und diesem kurzen Moment, in dem man sich noch für einen organisierten Menschen hält, schiebt sich die Frage an den Rand – und dann mitten auf den Tisch: Wozu das Ganze? Nicht die Prospekt-Version („Berge! Seen! Bären!“ – ja, danke, ich hab’s gehört). Sondern die unbequeme Variante. Weshalb tauscht man Urlaubstage gegen hunderte Kilometer, erholsamen Schlaf gegen die abendliche Stellplatz-Schnitzeljagd und wirft nebenbei einen durchaus stattlichen Geldhaufen über Bord – nur um dann mit dem Camper durch ein Land zu ruckeln, das schon auf der Karte völlig übertrieben wirkt und in echt noch mal nachlegt?

Kanada hat wenig Geduld mit diesem App-Gedanken „Route gespeichert, ab jetzt läuft’s von allein“. Tut es nicht. Vergiss den Reflex. Das Land hat seinen eigenen Takt – und der wartet nicht, bis du innerlich aufgeräumt bist. Triffst du ihn, fühlt sich ein Tag so rund an, dass man kurz misstrauisch wird. Verfehlst du ihn, wird’s kantig. Zwischen den Rockies und den endlosen Schneisen in British Columbia steckt nämlich nicht einfach „Fahrzeit“: Da wohnt Wetter, das Pläne zusammenknüllt wie einen Kassenzettel. Da gibt’s Straßen, die jedes „passt schon“ sofort mit Schlagloch-Feedback quittieren. Und dieses Licht – morgens weich, fast freundlich; später knallhart, als würde dich jemand einmal komplett abscannen. „Wir lassen uns treiben“ klappt hier nur, wenn „treiben“ nicht „bis zur Dämmerung bummeln“ bedeutet. Entschleunigung gibt’s nicht als Gratisbeilage. Die holt man sich. Zur Not gegen die eigene Ungeduld. Und ja: manchmal auch mit Ansage.

Deshalb mache ich etwas, das nach gestern klingt – und mir trotzdem mehr als einmal den Tag gerettet hat: Papierplanung. Nicht als Retro-Nummer fürs Foto. Sondern, weil mich diese Macke vor teuren Umwegen bewahrt hat und vor diesen peinlichen „Äh… warte…“-Sekunden, in denen alle im Auto plötzlich sehr still werden. Für den Anfang reicht ein Skelett: eine grobe Richtung, zwei bis drei Fixpunkte und ein Ziel, das nicht bei jeder Kaffeepause neu verhandelt wird. Dann rollt’s. Mehr muss es nicht sein.

Weil dieses harmlos klingende „Wir sind ja schon hier, dann könnten wir noch schnell…“ erstaunlich oft der Startschuss für Tetris-Tage ist. Alles vollgestopft, alles eng, keine Luft dazwischen. Am Ende bleibt Müdigkeit – plus die blöde Frage, wofür man eigentlich losgefahren ist.

Jetzt kommt der Teil, der kurz piekst. Genau darum ist er so wertvoll: streichen. Ohne Tragödie. Ich sortiere brutal in drei Kategorien: Muss, Wäre nett, Lass es. FOMO im Funktionsfleece, ungefähr so. Vor mir liegt eine Karte ohne Zoomstufen, ohne Fähnchen-Gemetzel, ohne Algorithmus, der dir mit breitem Grinsen irgendeinen Quatsch anbietet. Klar dürfen Apps mitfahren. Bis zu dem Moment, in dem sie dort verrecken, wo das Netz einknickt. Eine Ausfahrt später stellst du dann, mit voller Überzeugung, fest: falsch abgebogen. Papier ist da gnadenlos ehrlich. Ein Blick – und du kapierst sofort, warum „mal eben rüber“ in Kanada gern einen ganzen Tag auffrisst.

Unsexy ist das Zeit-Thema. Genau deswegen wird’s später urlaubstauglich. Wieviel bekommt eine Etappe wirklich? Nicht nur die Stunden am Lenkrad. Sondern auch das Zeug, das immer passiert und nie „ausnahmsweise“ ausfällt: einkaufen, tanken, Müll loswerden, Wasser auffüllen. Irgendwas klappert – und plötzlich verlangt dieses Teil sehr dringend nach einem Schraubenzieher. Und bitte, ja bitte: diese eine Stunde am See, in der exakt nichts passiert. Gar nichts. Außer schauen. Ohne Puffer wird Kanada zur hübschen Kulisse, an der du vorbeischießt. Für Transit fliegt niemand über den Atlantik.

Erst danach zähle ich Tage zusammen. Trocken. Ohne das kleine „ach, wird schon“-Gebetchen. Denn genau da entscheidet sich, wo man wirklich bleibt – statt abends im Halbdunkel den nächsten Stellplatz zu jagen, als hätte jemand die Welt auf doppeltes Tempo gedreht. Zwei Wochen „wir nehmen alles mit“ klingt am Küchentisch nach grenzenloser Freiheit. Draußen bröckelt das gerne ab Tag drei. Spätestens dann, wenn der dritte Regenmorgen am Stück an die Tür klopft und „früh raus“ nicht nach Aufbruch, sondern schlicht unerquicklich klingt.

Der Plan, der trägt, ist auf die beste Art langweilig: weniger Punkte, dafür echte Zeit an Orten, die einen wirklich packen. Morgens losrollen, ohne dass dir ein Termin in den Nacken pustet. Den Umweg nehmen, weil die Straße gerade „komm“ sagt. Abends noch einen Trail dranhängen – statt geschniegelt im Campingstuhl zu versacken, nur weil irgendwo „morgen 6:00“ im Kalender klebt. Kanada ist kein Sprint. Eher wie ein verdammt gutes Gespräch. Und gute Gespräche haben Pausen. Müssen sie sogar.

Was hängen bleibt (kurz, scharf, ohne Zucker)

  • „Wird schon“ wird in Kanada erstaunlich schnell zu „aua, das war teuer“: Campgrounds und Stopps so setzen, dass Distanzen draußen funktionieren – nicht nur hübsch auf dem Display.
  • Die besten Geschichten kleben selten an der Hauptspur. Wer stur abspult, lässt Abstecher liegen, die einer Reise erst Gewicht geben.
  • Ein paar Fahr-Basics sind Balsam fürs Nervensystem: sicher rollen, ohne dass jede Meile nach Stress schmeckt.
  • Klamotten nach Wetter packen, nicht nach Kopfkino – sonst stehst du bei 6 Grad und Niesel in Shorts und spielst „mir ist gar nicht kalt“ (doch. ist es).
  • Respekt fährt immer mit: sauber campen, zuhören, lernen – Natur und Kultur sind keine Kulisse fürs Fotoalbum.

Campingplätze, bei denen ich nicht verhandle

Auf einem Campertrip ist der Schlafplatz nicht bloß „wo parken wir die Kiste“. Übernachten ist Stimmung. Vielleicht (wo’s erlaubt ist) ein kleines Feuer, das trocken knackt. Morgens die Tür aufreißen, einmal tief einatmen – Wind, Wasser, und irgendwo zwischen den Bäumen werden Stimmen leise. Kanada kann das komplette Spektrum: vom simplen, blitzsauberen Campground bis zum RV-Park mit Strom, Duschen und dieser gefährlichen Verlockung namens „Ach, wir waschen schnell noch“. Ein paar Plätze hängen mir bis heute im Kopf. Nicht wegen WLAN. Ganz sicher nicht.

Ganz oben: Jasper National Park in Alberta. Ja, groß. Und trotzdem nicht dieses Gefühl, als würde man durchs Touri-Fließband geschoben. Der Wapiti Campground liegt nah am Athabasca River. Abends ans Wasser, Schuhe aus, Kopf runterdrehen. Fertig. Mehr „Ankommen“ brauche ich selten.

British Columbia hat mich dann im Kootenay National Park erwischt – besonders rund um den Redstreak Campground. Als Basis für Touren ist der fast schon unfair gut platziert. Und die heißen Quellen in der Gegend? Nach einem langen Tag draußen fühlt sich das nicht nach Wellness-Show an, sondern nach einem ehrlichen Geschenk. Erst meckern die Muskeln. Dann werden sie still. Und du denkst: passt.

Ontario auf der Route? Dann nicht am Algonquin Provincial Park vorbeiblättern. Viele Stellplätze liegen direkt am Wasser oder sind von Seen und Flüssen eingerahmt. Die Stille dort ist nicht „tot“, eher gedämpft – als hätte jemand eine Decke über die Welt gelegt. Ideal für Tierbeobachtung. Und für frühe Fototouren, ohne vorher stundenlang irgendwohin zu eiern.

Sehenswürdigkeiten, bei denen Ausreden albern klingen

Klar: Kanada ist voll mit Stopps, die man „auch noch schnell“ reinquetschen kann. Und dann gibt’s Orte, bei denen jede Diskussion peinlich wirkt. Banff National Park gehört dazu. Glitzernde Seen. Gipfel mit Schneehaube. Postkartenkitsch, bei dem man anderswo die Augen verdreht – hier funktioniert er. Punkt.

Lake Louise ist der Klassiker: Boot, Bank am Ufer, schauen. Und im Kopf kurz prüfen, ob dieses Türkis nicht gegen irgendein Naturgesetz verstößt.

Beim ersten Mal stand ich da und hatte ein paar Sekunden lang einfach keine Worte. Dieses freche Blaugrün. Und im Kopf plötzlich… nichts. Keine Pointe, kein Spruch. Nur Ruhe. Nur: „Okay.“ Und dann, leise, fast unangenehm ehrlich: „Wow.“

Yoho National Park spielt in derselben Gewichtsklasse. Die Takakkaw Falls sind nicht „ein netter Wasserfall“, sondern eine Ansage: hoch, präsent, brachial laut. Als hätte Wasser eine Meinung. Dazu Trails von gemütlich bis zu der Sorte, die dir sehr direkt erklärt, wofür Oberschenkel eigentlich gedacht sind.

Weiter östlich: die Niagarafälle. Versuch gar nicht erst, diese Wucht sauber zu beschreiben, ohne kitschig zu werden. Stell dich hin. Bootstour, Plattform, egal – und ja, dieser Satz stimmt hier ausnahmsweise komplett: Der Blickwinkel macht den Unterschied.

Unterwegs: nicht nur Kilometer schlucken

Kilometer sind das Ticket. Das Eigentliche passiert dazwischen. In den Nationalparks haben Outdoor-Leute leichtes Spiel: Wandern geht fast immer – nicht nur für die Fraktion „zählt nur, wenn’s fies steil ist“. Die Bandbreite reicht von „Spaziergang mit Aussicht“ bis „warum zur Hölle habe ich das unterschätzt?“

Oft bin ich einfach los – ohne Plan, ohne Konzept – und habe dabei diese kleinen Treffer eingesammelt: Aussichtspunkte, die plötzlich aufreißen. Waldstücke, in denen dir nebenbei klar wird, dass Kanada nicht nur groß ist, sondern ziemlich wild. Tiere inklusive.

Radfahren, Kajak, Angeln: passt in viele Etappen, solange du deine Tage nicht stopfst wie einen Einkaufswagen fünf Minuten vor Ladenschluss. Im Kootenay National Park lässt sich auf ruhigem Wasser wunderbar paddeln; eher runterfahren als Adrenalin. Und manchmal ist genau das die beste Sorte Abenteuer.

Mehr Puls? Dann Rafting in British Columbia. Kaltes Wasser, flinke Strömung – einmal den Kopf durchspülen lassen. Und die Kulisse sorgt dafür, dass es nicht nach Freizeitpark schmeckt, sondern nach echtem Draußen.

Camperfahren in Kanada: Kleinkram, der Ärger (und Schweiß) spart

Route Kilometer Lenkzeit (Std.) Stopps, die sich lohnen Zeitfenster vor Ort
Vancouver – Whistler 120 2 Sea-to-Sky Highway, Shannon Falls 1 Tag
Whistler – Kamloops 300 4 Coquihalla Canyon, Kamloops Lake 1–2 Tage
Kamloops – Jasper 440 5 Mount Robson, Jasper Nationalpark 2–3 Tage
Jasper – Banff 290 3.5 Icefields Parkway, Peyto Lake 2 Tage
Banff – Calgary 130 1.5 Banff Nationalpark, Calgary Tower 1 Tag

Mit dem Camper durch Kanada zu rollen ist großartig – solange man die Basics nicht wegwinkt, nur weil sie nach „Pflichtprogramm“ riechen. Ganz oben: Verkehrsregeln. Rechts fahren, klar. Tempolimits sind allerdings nicht die Kategorie „ein bisschen drüber, merkt eh keiner“. In vielen Regionen wird wirklich kontrolliert. Kanada ist kein Spielplatz für „mal schauen, was geht“.

Was mir unterwegs schon mehr als einmal den Tag gerettet hat: Navigation, die nicht exakt dann verdunstet, wenn man sie dringend braucht. GPS, Karten-App – egal. Hauptsache verlässlich. Gerade sobald du die großen Achsen verlässt, eine Abzweigung verpasst oder plötzlich auf einer Strecke landest, die in deinem Kopf nie existiert hat.

Und die Straßen? Sobald du die Haupttrassen hinter dir lässt, wird’s gerne rustikal. Schotter. Schlaglöcher. Baustellen. Staub. Am liebsten alles zusammen, als hätte jemand eine To-do-Liste abgehakt. Also: Zustand vorher checken, vor allem bei abgelegenen Zielen. Je nach Route ist Allrad nicht „nice to have“, sondern schlicht vernünftig. Und streich dir den Satz „da kommt bestimmt gleich eine Tankstelle“. In manchen Gegenden kommt lange nichts. Wirklich lange.

Essen im Camper: Kanada ist nicht nur Burger im Standgas

Ein Thema, das beim Campern erstaunlich oft unter die Räder kommt: Essen. Ausgerechnet. Kanada ist kulinarisch kein glatter Einheitsbrei, sondern ein lebendiges Durcheinander aus regionalen Produkten und Einflüssen aus allen Himmelsrichtungen – und genau das macht’s spannend. In British Columbia Meeresfrüchte zu ignorieren ist fast Arbeitsverweigerung, allen voran Lachs. Ich hatte in Vancouver in so einem kleinen Laden ein Lachsgericht, das so gut war, dass ich am nächsten Tag ernsthaft überlegt habe, einfach wieder hinzugehen. (Ich bin. Keine Sekunde bereut.)

Alberta? Da stolperst du quasi automatisch über Alberta Beef – Burger wirken mancherorts wie Grundnahrungsmittel. Rinderzucht hat dort Tradition, und ja: das schmeckst du. Und liegt Ontario auf der Strecke, probier eine Buttertart. Süß, klebrig, sehr kanadisch – und fies, weil nach dem ersten Stück selten ein ehrliches „reicht“ kommt. Dass sich das alles so bunt und ein bisschen zusammengewürfelt anfühlt, ist kein Zufall: Auf dem Teller landet das kulturelle Patchwork des Landes – und plötzlich wird selbst ein schnelles Essen am Straßenrand zur Erinnerung.

Packliste: unerquicklich – und genau deshalb nicht diskutierbar

Packlisten haben den Charme von Steuerformularen. Zäh, ja. Nur: Sie verhindern exakt die Situationen, die später am meisten Nerven kosten. Irgendwo stehen, fluchen, und sich ernsthaft fragen, wie man ohne Teil X überhaupt losfahren konnte – Klassiker. Im Camper brauchst du Zeug fürs Leben im Fahrzeug. Und fürs Draußen.

Erst die Kleidung: Kanada serviert Sonne, Wind und abends Temperaturen, bei denen du deine Shorts verfluchst – alles an einem Tag, manchmal sogar innerhalb derselben Etappe. Also: warmes Zeug (eine Jacke, die ihren Job macht!), dazu leichtere Shirts für die freundlichen Stunden.

Dazu der Campingkram: Schlafsäcke, Kocher, Geschirr. Ich packe fast immer einen kleinen Grill ein – nicht, weil ich irgendein BBQ-Missionar bin, sondern weil draußen kochen die Laune hebt und ein Abendessen unterm Himmel plötzlich das Tages-Highlight sein kann. Ohne Show. Einfach gut.

Und dann der persönliche Kram: Toilettenartikel, Medikamente, alles, was du unterwegs nicht mal eben ersetzen willst. Eine ordentliche Kamera – oder wenigstens ein Smartphone mit brauchbarer Linse – würde ich auch einplanen. Kanada ist nicht der Ort, an dem man später gern sagt: „Tja. Hätte ich das mal festgehalten.“

Wetter: kann freundlich starten und gleichzeitig zubeißen

Kanadisches Wetter hat Charakter. Nicht immer den, den man bestellt. Es kann traumhaft losgehen – und eine Stunde später kippt es, als hätte jemand am Regler gedreht. Darum: Prognosen pro Region checken, bevor es losgeht (und unterwegs erst recht). Das entscheidet, ob Regenzeug griffbereit liegt oder der Sonnenhut obenauf thront.

Mein Gegenmittel gegen Wetter-Launen: Zwiebelprinzip. Schichten. Noch eine. Und die Fähigkeit, in zwei Minuten umzubauen. Eine wasserdichte Jacke ist keine Stilfrage; spontane Schauer gehören dazu. Und ja: Sonnencreme und Insektenschutz sind genauso Pflicht. Beides spart dir „Souvenirs“, die auf Fotos fehlen – die du aber sehr deutlich spürst.

Mini-Fakten, die die Landschaft anders einfärben

Jede Region schleift Geschichte mit sich herum – und manchmal kippt dadurch der Blick auf Berge, Seen und Straßen. Banff National Park ist zum Beispiel der älteste Nationalpark Kanadas. Gegründet 1885 – und heute rollen jedes Jahr Millionen Menschen genau dort hinein.

Berge und Gletscher sind dort nicht bloß hübsche Tapete, sie gehören zum Selbstbild des Landes. In British Columbia wiederum prägen viele First Nations-Gemeinschaften die Region bis heute – mit Kulturgeschichte, die du in Museen, Galerien oder bei Veranstaltungen wirklich mitbekommst, sofern du dir dafür Zeit freischaufelst. Solche Einblicke sind keine „Programmpunkte“. Sie machen die Reise schwerer – im besten Sinn. Aus „Land anschauen“ wird Begegnung.

Was andere erlebt haben – und warum ich das nicht abtue

Erfahrungsberichte anderer Reisender sind pures Gold. Nicht, weil man sie stumpf nachfahren sollte, sondern weil man dadurch schlicht klüger plant. Viele erzählen von ihren Tagen in den Parks, nennen Lieblingsstellen und warnen vor Touristenfallen, die vor allem Zeit auffressen. Vor meinen Reisen habe ich mich regelmäßig durch Online-Foren gewühlt und Tipps gefunden, die so konkret waren, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, warum manche Hochglanz-Reiseführer das so konsequent unterschlagen.

Ein Thema taucht immer wieder auf: Wildtiere. Beim Wandern, beim Campen, manchmal einfach am Straßenrand. Bären, Elche, sogar Wölfe – beeindruckend, klar. Gleichzeitig ist das der beste Reminder überhaupt: Abstand halten, Regeln ernst nehmen, nicht für ein Foto den Verstand ausschalten. Genau solche Begegnungen machen Kanada für viele unvergesslich: Natur nicht als Deko, sondern als Hauptdarsteller. Und der ist nicht immer nett.

Nachhaltig unterwegs: weniger Spuren, mehr Anstand

Nachhaltigkeit im Camper ist kein Bonuskapitel, das man am Ende pflichtschuldig abnickt. Eher eine Haltung, die bei jeder Entscheidung mit auf dem Beifahrersitz sitzt. Vieles geht ohne Verzichts-Gejammer: nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachten, Müll wieder einpacken (ja, auch den winzigen Mist), und die Landschaft nicht behandeln, als käme hinter dir jemand mit dem Besen. Klingt streng. Ist aber schlicht nötig.

Lokale Anbieter stärken, regional einkaufen, Restaurants wählen, die sauber arbeiten und Nachhaltigkeit nicht nur aufs Schild pinseln. In manchen Gegenden gibt’s geführte Touren, bei denen Naturschutz nicht als Werbewort herumgereicht wird, sondern wirklich im Zentrum steht. So erlebst du Kanada – und hilfst mit, dass es für die nächsten Generationen nicht kaputtgetrampelt wird. Bewusst reisen, respektvoll handeln. Oft reicht genau das.

Falls dich die Kanada-Camper-Route gerade richtig kitzelt: Der Artikel übers Camping in Namibia könnte ebenfalls passen – andere Landschaft, andere Spielregeln, aber ähnlich viel Futter fürs Abenteuerhirn. Hier entlang: Camping Trip Namibia.

FAQs

Was heißt „Kanada Camper Route“ eigentlich?

Das ist keine offiziell ausgeschilderte Vorzeigestrecke, der man brav hinterherfährt. Gemeint ist eher ein gängiges Grundmuster, das viele Campervan- und Wohnmobil-Reisende nutzen: große Landschaften, Nationalparks, sinnvolle Verbindungen – so zusammengesteckt, dass Campen, Wandern und spontane Stopps draußen wirklich klappen und nicht nur auf dem Bildschirm nett aussehen.

Welche Regionen landen bei solchen Routen fast immer auf dem Zettel?

Meist stehen die Rockies ganz oben: Banff und Jasper sind fast schon gesetzt. Dazu kommen Küsten- und Waldregionen in British Columbia sowie Teile von Alberta. Je nach Variante zieht sich das später weiter Richtung Osten, teils bis Ontario. Was am Ende wirklich reinpasst, entscheidet deine Planung – und ganz unsentimental: dein Zeitkonto.

Wie viel Zeit sollte man einkalkulieren?

Hängt komplett vom Tempo ab und davon, ob du Orte abhaken willst oder wirklich dort sein möchtest. Für eine Runde, die nicht nur aus Fahrerei besteht, sind zwei bis drei Wochen ein realistischer Rahmen.

Braucht man dafür ein bestimmtes Fahrzeug?

Am flexibelsten bist du mit Wohnmobil oder Campervan, weil du damit direkt auf Campingplätzen übernachten kannst. Entscheidend ist nicht „speziell“, sondern passend: genug Platz für Ausrüstung – und ein Fahrzeug, das mit den Straßenbedingungen deiner Route klarkommt.

Welche Reisezeit funktioniert am besten?

Für viele liegt das angenehmste Zeitfenster zwischen Juni und September: mildere Temperaturen, viele Campingplätze sind offen, und in den Parks passt das Gesamtpaket. Im Winter sind etliche Straßen und Regionen wegen Schnee und Kälte nur eingeschränkt nutzbar oder schlicht dicht.

Welche Ausrüstung muss zwingend mit?

Wetterfeste Kleidung, Camping-Equipment, Lebensmittelvorräte, Navigation (Karte/GPS), dazu Sicherheits- und Erste-Hilfe-Set. Wichtig: Vor Ort gelten Regeln – gerade in Wildtiergebieten – also vorher informieren und nicht erst diskutieren, wenn’s ernst wird.

Gibt’s Regeln oder Genehmigungen fürs Campen?

Ja. In vielen Nationalparks und Schutzgebieten brauchst du eine Campinggenehmigung oder musst auf ausgewiesenen Plätzen stehen. Wildcampen ist in Kanada meistens nicht erlaubt. Die Details unterscheiden sich je Region – besser vorher checken, statt vor Ort Stress zu bekommen.

Wie plant man die Route am schlauesten?

Du kannst alles selbst zusammenschrauben (Karten, Reiseführer, Recherche) – oder dich an Routenvorschlägen aus dem Netz beziehungsweise von Reisebüros orientieren. In der Hochsaison lohnt es sich, Campgrounds zu reservieren, sonst wird’s schnell eng.

Ist Kanada auch für Camper-Neulinge machbar?

Unterm Strich: ja. Kanada hat viele gut ausgebaute Straßen. Wer sich vorbereitet, das Fahrzeug vorher kennenlernt und lange Strecken realistisch kalkuliert, kommt auch als Anfänger gut zurecht.

Welche Highlights gelten als „Pflicht“?

Banff National Park (inklusive Lake Louise), Jasper National Park, der Icefields Parkway, Küstenregionen wie Vancouver Island – plus die Tierwelt und diese wechselnden Landschaften, die dir unterwegs ständig neue „Stopp. Jetzt.“-Momente hinwerfen.