Die Route entscheidet – alles andere ist Beiwerk. Auf Korsika einfach loszurollen klingt romantisch, endet aber oft damit, dass man an den falschen Stellen Zeit verbrennt. Diese Insel wirkt auf der Karte handlich, fährt sich aber wie ein störrisches Puzzle: Hochgebirge, Küstenband, Dörfer, die nicht im Eiltempo funktionieren. Erst sortieren, dann starten. Was reizt dich wirklich? Das Restonica-Tal mit seinem kühlen Granit, den Becken wie aus Glas? Oder eher Salz in der Luft, roter Sandstein und Strandabschnitte, bei denen selbst Leute von der Insel kurz langsamer gehen?
Für minutiöse Tagespläne fehlt mir die Geduld. Für eine klare Grundlinie allerdings auch nicht. Abwechselnd Berge und Meer – sonst fühlt sich die Reise irgendwann wie Wiederholung an. Und: Pro Stopp zwei, besser drei Nächte. Nicht „Luxus“, sondern schlicht realistisch. Korsika ist langsam; nicht aus Prinzip, sondern wegen der Straßen. Sie winden sich, sie steigen, sie brechen ab, sie führen um jeden Hügel herum. 60 Kilometer können sich anfühlen wie eine halbe Weltreise. Fahrzeiten also großzügig ansetzen. Und Pausen gleich mitdenken. Viele. Sonst rauscht man an Aussichtspunkten vorbei, die später im Kopf nachhallen – unangenehm.
Navigation per App? Klar, benutze ich auch. Blind vertrauen? Niemals. Einmal hat mir eine App eine „Abkürzung“ serviert, die sich als Ziegenparcours ohne Empfang entpuppte. Ergebnis: Adrenalin statt Ankunftszeit. Seitdem liegt eine Papierkarte im Handschuhfach. Und im Hinterkopf ein Puffer, der nicht verhandelbar ist.
Notizen für Ungeduldige
- Eine brauchbare Route kommt nicht aus Google Maps, sondern aus Prioritäten – und dem Mut, etwas wegzulassen.
- Campingplätze sind auf Korsika weniger „Schlafstelle“ als Basislager.
- Ob Regen nervt oder einfach passiert, hängt an deiner Ausrüstung.
- Strände, Buchten, Pfade: Die Insel zeigt sie nicht auf Knopfdruck. Man muss sie sich erlaufen, erfragen, manchmal auch „verdienen“.
- Respekt vor Tempo, Gelände und Regeln zahlt sich aus – meist mehr, als man vorher einplant.
Campingplätze, die mehr können als Stellfläche
Große, anonyme Anlagen sind nicht mein Korsika. Ich will keine Parzellen-Nummern und Dauerbeschallung, sondern Orte, die sich wie ein Standort anfühlen. „Les Oliviers“ bei Porto-Vecchio ist so ein Platz, an den ich zurückdenke: Olivenbäume als Schattenspender, diese salzige Grundnote in der Luft, das Meer nicht weit. Morgens Espresso, abends Wellen. Dazwischen: angenehm wenig. Die Sanitäranlagen sind sauber und funktional – ohne Deko-Show. Reicht völlig.
Calvi spielt in einer anderen Liga, zumindest atmosphärisch. „La Plage“ liegt so nah am Wasser, dass man nachts meint, die Brandung würde am Zeltstoff ziehen. Dazu der Blick Richtung Zitadelle, entspannte Nachbarn, irgendwo lehnen Fahrräder, keiner macht ein Drama daraus. Ich habe dort Abende erlebt, an denen Fremde plötzlich nicht mehr fremd waren: Holz zusammensuchen, Feuer an, Geschichten, die niemand geplant hatte. Genau das ist Camping. Der Rest ist bestenfalls Parkplatz – mit schöner Aussicht.
Ausrüstung: Weniger Legende, mehr Praxis
Das Wetter auf Korsika hält sich nicht an die Dramaturgie eines Urlaubsplans. Sonne, Wind, Gewitter – manchmal innerhalb weniger Stunden. Dein Zelt muss das aushalten. Ende der Diskussion. Und Belüftung ist keine Komfortoption, sondern Pflicht: Sonst kondensiert es, und morgens tropft dir das Wasser ins Gesicht. Habe ich erlebt. Brauche ich nicht noch einmal.
Schlafsack und Matte verdienen mehr Aufmerksamkeit, als viele ihnen geben. In den Bergen können die Nächte überraschend kühl werden – ich rede nicht theoretisch. Wer unterwegs kocht, ist mit Gaskocher und einfachem Kochgeschirr gut bedient. Ich trage keine halbe Küche mehr spazieren. Eine Kühlbox hingegen hat sich bewährt: frischer Käse, Obst, nach einer Wanderung ein kaltes Getränk. Das ist kein Luxus, das ist Lebensqualität.
Und Wasser: klingt banal, ist es aber nicht. Es gibt Ecken, da sucht man Trinkwasser länger, als einem lieb ist. Ein kleiner Filter hat mir mehr als einmal den Tag gerettet.
Strände, die bleiben
Palombaggia. Ja, der Name fällt überall. Ja, voll kann es werden. Und trotzdem: beeindruckend. Heller Sand, flaches, klares Wasser, Kiefern, die Schatten liefern, wenn man ihn braucht. Ich habe dort Stunden verbracht – Buch dabei, Plan egal. Einfach sitzen, schauen, fertig.
Roccapina ist das Gegenteil: leiser, zurückhaltender. Ein kurzer Fußmarsch, dann liegt die Bucht da, als hätte sie sich bewusst versteckt. Felsen, Wasser wie Glas, oft erstaunlich wenig Betrieb. Schnorchel auf, Zeit aus. Und der Sonnenuntergang? Schwer in Sätze zu pressen. Am besten ansehen. Und dann kurz den Mund halten.
Zu Fuß unterwegs: Korsika unter den Sohlen
| Campingplatz | Ort | Abstand zur Route | Bewertung | Preis/Nacht | Ausstattung |
|---|---|---|---|---|---|
| La Pinède | Porto-Vecchio | 0 km | 4,5/5 | 25 € | Pool, WLAN, Restaurant |
| U Ponte Grossu | Ota | 5 km | 4,2/5 | 20 € | Stellplätze, Sanitär, Grill |
| Les Oliviers | Calvi | 2 km | 4,7/5 | 30 € | Pool, kleiner Markt |
| La Vallée | Vizzavona | 1 km | 4,3/5 | 22 € | Wanderzugang, Spielplatz |
| Les Castors | Ajaccio | 3 km | 4,0/5 | 18 € | Pool, Restaurant, Bikes |
Der GR20 ist nicht umsonst ein großer Name. Trotzdem: Niemand muss ihn komplett gehen, um zu begreifen, was an diesem Weg dran ist. Einzelne Etappen reichen, um Respekt zu bekommen – vor dem Profil, vor der Stille, vor der Landschaft. Mein Abschnitt bei Vizzavona war schweißtreibend, ruhig und schön auf diese unaufdringliche Art. Wald, Wiesen, klare Höhenluft.
Scandola fühlt sich eher an wie ein Naturmuseum – nur ohne Ticket und ohne Absperrband. Kürzere Wege, aber dichtes Leben. Und Capo Rosso? Früh los. Wirklich früh. Wenn die Sonne erst ansetzt und alles noch schläft, gehört der Blick für einen Moment dir.
Essen, das nach Insel schmeckt
Korsika kocht eigenwillig, und das ist als Kompliment gemeint. Brocciu zum Beispiel: frisch, leicht säuerlich. In Corte habe ich ihn einmal mit Honig bekommen. Klingt erst falsch. Schmeckt dann erstaunlich richtig. Solche Kombinationen merkt man sich.
Figatellu, Coppa, Lonzu – Wurstwaren mit Kante. Am besten vom Markt, nicht aus dem Regal mit Plastikfolie. Dazu ein Strand, ein schlichtes Picknick, ein Glas Wein. Für mich ist das völlig ausreichend.
Draußen übernachten, ohne Spuren zu hinterlassen
Müll bleibt nicht „irgendwo“ liegen. Punkt. Ich habe immer einen extra Beutel dabei, genau dafür. Tiere sind keine Deko, Pflanzen keine Souvenirs. Klingt banal, wird aber erstaunlich oft ignoriert.
Kein Feuer, wo es verboten ist. Und morgens sieht der Platz so aus, als wäre niemand da gewesen. Das ist der Standard – nicht die Kür.
Geschichte zwischen Meer und Stein
Ajaccio kommt an Napoleon nicht vorbei; die Stadt trägt ihn wie einen Schatten. Maison Bonaparte anschauen: kann man machen. Mindestens genauso sinnvoll ist es, einfach durch die Altstadt zu laufen – Cafés, Stimmen, Hafenlärm, dieses unaufgeregte Durcheinander.
Calvi: Die Zitadelle „thront“ nicht nur, sie wirkt eher wie eine Wächterin. Der Aufstieg lohnt sich. Oben Wind, unten glitzert das Meer. Ich saß dort einmal eine Stunde auf einer Mauer. Kein Ziel, keine To-do-Liste. Nur schauen.
Für Leute mit Bewegungsdrang
Canyoning im Restonica-Tal ist nichts für Warmduscher. Kalt. Laut. Sehr direkt. Springen, rutschen, lachen – geführt und damit kontrolliert, aber trotzdem mit genug Wildheit, damit es nicht nach Animation aussieht.
Klettern bei Bonifacio oder rund um Corte: Routen für Einsteiger, Linien für Könner. Und immer wieder dieser Blick, der einem kurz die Konzentration klaut. Ich war dort mit Freunden unterwegs; Muskelkater gab’s gratis. Die Erinnerung auch.
Sicherheit ist keine Spielverderberin
Berge und Wetter haben keine persönliche Agenda, aber sie sind launisch. Wetter-Apps prüfen – regelmäßig, nicht einmal morgens. Beim Schwimmen Warnhinweise ernst nehmen. Strömungen sind nicht verhandlungsbereit.
Beim Wandern gilt das Übliche, nur eben konsequent: Wasser, Snacks, und jemand weiß, wo du bist. Ich habe gesehen, wie schnell die Kraft weg ist, wenn die Sonne gnadenlos durchzieht.
Nachhaltig unterwegs, sonst gar nicht
Biologisch abbaubare Seife, wiederverwendbare Behälter, wenig Plastik – keine Heldengeschichte, sondern Haltung. Übernachten nur dort, wo es erlaubt ist. Auf den Wegen bleiben. Natur nicht als Kulisse behandeln, die man beliebig bespielt.
So bleibt Korsika Korsika. Auch für die, die nach uns kommen.
Und falls Camping dich grundsätzlich beschäftigt: Schwangau ist ebenfalls einen Blick wert. Andere Landschaft, andere Spielregeln – derselbe Gedanke dahinter: draußen sein, ohne etwas kaputt zu machen. Der Artikel steht hier: Camping in Schwangau.
FAQs
Was meint „Campingroute auf Korsika“ eigentlich?
Gemeint ist eine sinnvolle Reihenfolge von Stationen, die Campingplätze mit Natur- und Kulturstopps verbindet. Das ist kein Pflichtprogramm, eher eine Arbeitsgrundlage.
Wie viel Zeit ist realistisch?
Eine Woche geht – fühlt sich aber knapp an. Zwei Wochen wirken deutlich entspannter.
Sollte man Campingplätze reservieren?
In der Hauptsaison: ja, unbedingt. Außerhalb davon klappt es oft auch spontan.
Welche Ausrüstung sollte man nicht vergessen?
Ein robustes Zelt oder ein geeignetes Fahrzeug, ein gutes Schlafsystem, Kocher, Wasser – und Karten (digital plus analog).
Gibt es Besonderheiten beim Fahren?
Viele Kurven, oft schmal, nicht selten langsam. Geduld schlägt PS, fast immer.
Lässt sich Wandern gut mit Camping verbinden?
Ja. Viele Plätze liegen so, dass man direkt in Trails einsteigen kann.
Wann ist die beste Reisezeit?
Mai bis September. Ich bevorzuge Frühling und Spätsommer.
Wie ist die Lage beim Wildcampen?
In den meisten Fällen untersagt. Offizielle Plätze sind die stressfreiere und rechtssichere Variante.
Wie kommt man mit dem Camper nach Korsika?
Per Fähre ab Frankreich oder Italien. Eine Reservierung ist sinnvoll.




