Ein paar Tage raus, viel Bewegung, abends müde ins Zelt fallen – dafür taugt der Campingplatz Wagenburg im Oberen Donautal ziemlich gut. Das Donautal sitzt unten an der Schwäbischen Alb; von Stuttgart aus ist man je nach Verkehr in etwa 1 bis 1,5 Stunden dort. Den Platz gibt’s nicht erst seit gestern: Seit 1961 wird hier gecampt. Und ja, die nackten Zahlen gehören auch dazu: rund 100 Stellmöglichkeiten, keine Parzellierung, also eher „Wiese suchen, einrichten, fertig“ als Campingplatz-Schachbrett.
Camping mitten im Donautal – ohne große Show
Der Platz klebt praktisch am Fluss: direkt an der Donau, in Hausen im Tal (bei Beuron). Wer’s richtig gut treffen will, peilt die Uferkante an. Diese Stellflächen in der ersten Reihe sind allerdings eher was für Zelte oder kompakte Camper – für ausgewachsene Wohnwägen wird’s dort schnell eng. Alles andere zieht sich über ein schmales, dafür recht langes Stück Wiese; man verteilt sich, statt sich gegenseitig auf die Füße zu treten.
Im Zentrum steht ein Gebäude, in dem Anmeldung und Sanitär untergebracht sind. Und nein, das sieht nicht nach Neubaugebiet aus – das Haus hat ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Dafür war es bei unseren Besuchen ordentlich sauber, und die Duschkabinen wirken, als hätte man sie in den letzten Jahren tatsächlich mal angefasst (im positiven Sinn). In der Hauptsaison kommt das Ganze spürbar an seine Grenzen: Stoßzeiten sind Stoßzeiten. Geht aber. Was man ebenfalls wissen sollte: Vom hinteren Ende des Geländes bis zum Sanitärgebäude kann sich der Weg ziehen. Andererseits – Donautal-Urlaub und Faulheitsprämie passen ohnehin nicht so recht zusammen.
Sommerferien? Voll. Richtig voll. Wer nachmittags oder früh am Abend aufschlägt, hat deutlich bessere Karten; bei später Anreise kann es passieren, dass man schlicht keinen Platz mehr bekommt. Reservierungen sind außerdem erst möglich, wenn man mindestens 7 Tage bleibt – für Kurztrips heißt das: ankommen, schauen, hoffen.
Kleiner Hinweis, der im Alltag dann doch groß wird: Am Wochenende wird auf dem Platz der Holzofen angeheizt und es gibt frischen Flammkuchen. Kein Marketing-Gag, sondern wirklich empfehlenswert. Frühstück läuft entspannt: Etwa 100 Meter außerhalb sitzt ein lokaler Bäcker. Die Auswahl ist nicht riesig (also keine Croissant-Parade bis zum Horizont), aber für ein solides Frühstück und einen ordentlichen Start in den Tag reicht’s problemlos. Und wer abends noch ein Bier oder morgens einen Kaffee zum Wachwerden braucht: Das bekommt man direkt am Kiosk bei der Anmeldung.
Draußen spielen: das Gelände für Kletterer, Paddler, Läufer
Wer wegen „Draußen“ herkommt, ist im Naturpark Obere Donau sowieso richtig. Von der Wagenburg aus lässt sich vieles direkt starten: wandern, paddeln, klettern – ohne erst eine Stunde irgendwohin zu fahren. Radfahrer haben den Donauradweg praktisch vor der Nase. Kanufans ebenfalls: Die nächste Verleihstation liegt nur ein paar hundert Meter vom Eingang entfernt, also angenehm unkompliziert.
Und dann sind da noch die Felsen. Direkt am Platz wartet schon ein brauchbares Kletterrevier; mit Stuhlfels und Verlobungsfels liegen gleich zwei bekannte Spots in unmittelbarer Nähe. Wer keinen Plan hat, was wo wie schwer ist: Den passenden Kletterführer von Panico kann man an der Rezeption kaufen – das ist einer dieser kleinen Services, die man erst vermisst, wenn man sie nicht hat. Landschaftlich sticht außerdem der Donaudurchbruch bei Beuron heraus. Mit dem Auto sind’s nur wenige Minuten, mit dem Rad ein paar Kilometer – lohnt sich, Punkt.
Preislich fair – besonders, wenn man keinen Zirkus erwartet
Wir waren im August dort, also mitten in den Sommerferien, und haben für eine Nacht mit zwei Kindern (damals 3 und 5 Jahre alt) 22 Euro bezahlt. Dafür bekommt man hier viel Platz und eine Lage, die man anderswo teuer als „Premium“ verkaufen würde. Wichtig ist eher die Erwartungshaltung: Animation, Dauerbespaßung, Schnickschnack – gibt’s nicht in dem Maße. Wer genau das nicht braucht, hat hier einen ziemlich entspannten Treffer gelandet.
Der Platz ist insgesamt angenehm schlicht, mit einer gewissen Donautal-Patina, die nicht stört, sondern passt. Sehr angenehm: Hier wurde nicht alles mit Mobile Homes, Ferienhäuschen und sonstigen „Dauerinstallationen“ zugekleistert. Wer naturnah campen will, landet beim Camping Wagenburg genau da, wo er hinwollte. Abends auf die Donau schauen, Schloss und Ruine im Blick – und dann einfach Ruhe. Viel mehr muss es für ein paar Tage unter freiem Himmel ehrlich gesagt nicht sein.




