Ulassai taucht nicht als lautes Postkartenmotiv auf, eher als diese Ecke Sardiniens, die sich zwischen Berge, Felswände, Meerblick in der Ferne und ziemlich viel Wildnis klemmt. Genau deshalb wirkt das Dorf auf Outdoor-Leute wie ein kleiner Glücksfall: klettern, mountainbiken, wandern – oder schlicht irgendwo sein, wo Natur nicht Kulisse, sondern Dauerzustand ist und die Uhr gefühlt einen Gang runterschaltet.
Mitten in diesem Setting liegt Camping Theleme, eingerahmt von einem Pinienhain, der je nach Tageszeit gnadenlos Sonne liefert oder angenehmen Schatten ausspuckt. Die Plätze sind entsprechend gemischt. Mediterranes Grün überall: Sträucher, typische Pflanzen, ein paar Blüten dazwischen – das ist die Sorte Umgebung, in der ein Morgenkaffee automatisch langsamer getrunken wird. Punkt.
Fakten gehören auch dazu: Insgesamt stehen 40 Stellplätze zur Verfügung. 29 davon sind die größeren Varianten für Wohnwagen und Wohnmobile, jeweils mit Strom- und Wasseranschluss. Dazu kommen 11 kleinere Plätze, gedacht für Zelte. Das Auto bleibt nicht am Stellplatz, sondern wird auf dem Parkplatz des Campingplatzes abgestellt – ist am Anfang vielleicht ungewohnt, sorgt aber für deutlich weniger Blech zwischen den Bäumen.
Im Zentrum des Geländes steht ein Sanitärhaus, eher funktional als geschniegelt. Warm duschen klappt trotzdem: Die Sonne übernimmt die Arbeit und heizt das Wasser auf. Kein Luxuspalast, aber es erfüllt seinen Zweck.
Und falls der Magen knurrt oder einfach nur Durst anklopft: An der Bar gibt’s ein kaltes Bier oder einen Snack, dazu einen Ausblick, der tatsächlich kurz ablenkt. Die Bar ist von 08:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, die Rezeption von 08:30 bis 21:00 Uhr.

In den Sommermonaten zieht der Platz spürbar an – dann kann es eng werden. Eine Reservierung ist in dieser Zeit schlicht die entspanntere Lösung, statt auf gut Glück anzureisen.
Was Ulassai neben der Landschaft ausmacht, sind die Leute. Die Bewohner sind stolz auf ihr weitläufiges Gebiet, und das ist kein aufgesetzter Stolz, sondern etwas, das aus jahrhundertealten Gewohnheiten und Traditionen kommt, die im Alltag noch sitzen. Sardinien zeigt hier nicht die polierte Version, sondern seine echten Farben. Zwischen kleinem Gemüsegarten, sattem Weinberg und alten Olivenbäumen entsteht etwas, das man heute gern „Gastfreundschaft“ nennt – nur wird es dort nicht als Etikett benutzt, sondern gelebt. Interesse und Respekt öffnen Türen (wörtlich). Und wer eine Einladung zum sonntäglichen Spuntino annimmt, sollte damit rechnen, dass hausgemachter Wein, Käse und Fleisch in Serien auftauchen, nicht in Portionen. Ein Biosiegel fragt dort niemand ab; die Produkte kommen lokal vom Land und aus den Händen, die sie herstellen – mit viel Arbeit und, ja, auch mit Herz.
Noch ein Detail, das im Alltag zählt: Das Team am Campingplatz ist ausgesprochen hilfsbereit. Unaufgeregt, pragmatisch, präsent.
Klettern an feinstem Kalkstein – Ulassai als Traumspot für den Kletterurlaub
Für Kletternde ist Ulassai längst mehr als ein Geheimtipp. Das Gebiet entwickelt sich schnell und hat realistisch das Zeug, in die Liga der großen Sportkletter-Destinationen aufzusteigen: Die Zahl hochwertiger Routen wächst, die Landschaft bleibt dabei erstaunlich unberührt, und diese entspannte sardische Art zieht sich vom Fels bis ins Dorf. Geklettert wird an fein strukturiertem Kalkstein – Material, das Fingerkraft belohnt und präzise Fußarbeit verlangt. Viele Sektoren sind zu Fuß erreichbar; andere lassen sich mit dem Auto anfahren. Praktisch, weil damit sogar ein Urlaub ohne ständiges Autofahren möglich wird.
Und es bleibt nicht beim Klettern: Wandern und Mountainbiking liegen quasi vor der Tür, Highlining ist ebenfalls ein Thema, und wer zwischen Fels und Wald auch mal Kultur sehen will, findet mit dem örtlichen Kunstmuseum eine bodenständige Alternative zum reinen Outdoor-Programm. Mehrere Kletterbereiche liegen so nah, dass der Weg vom Campingplatz aus zu Fuß machbar ist – mit Routen für Einsteiger genauso wie für sehr erfahrene Leute. Ein Teil der Linien befindet sich in einer Schlucht; im Hochsommer ist das Gold wert, weil dort eher Schatten zu finden ist als auf offenem Fels.





