Die Lage ist der eigentliche Joker: Der Eingang in den Nationalpark Paklenica liegt praktisch nebenan. Einmal aus dem Zelt, kurz die Schuhe zu — und los. Zu Fuß oder mit dem Rad dauert das nur ein paar Minuten; wer’s bequemer mag, nimmt eben den Wagen. Fünf Minuten. Mehr ist das nicht.
Erst danach kommt das übliche Camping-Thema: In Starigrad-Paklenica gibt es rund um den Park eine ganze Handvoll Plätze. Manche sind so winzig, dass sie in den gängigen Campingführern schlicht nicht auftauchen. Auf der anderen Seite stehen zwei, vielleicht drei größere Anlagen. Und ja: Die Plätze, bei denen man automatisch hängenbleibt, liegen am Wasser. Uns hat am Ende der Campingplatz überzeugt, den die Nationalparkverwaltung selbst betreibt — ganz am Ortsrand von Starigrad. Klein. Überschaubar. Grob geschätzt keine fünfzig Stellplätze. Eher weniger als mehr.
Die Aufteilung auf dem Gelände ist schnell erklärt, fühlt sich aber sehr unterschiedlich an. Hinten, weg von der Küste, sind die Stellflächen nummeriert. Meerblick? Nichts da. Dafür Raum. Wirklich Raum. Die Parzellen sind dort spürbar großzügiger geschnitten als vorne.
Vorne am Wasser läuft es umgekehrt: keine Parzellierung, kein ordentliches Raster, keine Markierungen, die einem sagen, wo Schluss ist. Man stellt sich hin, wo gerade noch eine Lücke bleibt. Logisch, dass es enger wird. Dicht an dicht, je nachdem, wie man es sehen will: für die einen „kuschelig“, für andere eher „sportlich“.
Direkt vor dem Platz zieht sich ein schmaler Kiesstreifen entlang — zwei, vielleicht drei Meter breit, und das auf ungefähr fünfzig bis maximal achtzig Meter Länge. Ein Strand für Postkartenmotive ist das nicht. Für Massen schon gar nicht. Aber ganz ehrlich: Bei der Größe des Campingplatzes reicht es völlig, um schnell ins Wasser zu gehen, sich abzukühlen oder einfach ein bisschen am Ufer zu sitzen.

Wofür man hierherfährt, ist ohnehin weniger der Strand als das, was dahinter anfängt. Paklenica ist kein Ort für „ein bisschen Liegestuhl und fertig“. Das ist ein Revier für Menschen, die draußen unterwegs sein wollen — Kletterer, Boulderer, Wanderer. Lange Runden durch die Schluchten, kurze Zustiege zu den Felsen, Höhenmeter, die man am nächsten Morgen in den Waden begrüßt. Und wer nicht auf Tempo geht, merkt schnell: Man stolpert förmlich über Details. Seltene Schmetterlinge. Wilde Orchideen. Natur nicht als Hintergrundtapete, sondern als Hauptprogramm.
Trotzdem kommen auch die Badeleute nicht zu kurz. Der Küstenstreifen reicht fürs Abtauchen, fürs Treibenlassen, für Salz auf der Haut und im Gesicht. Und falls der Kopf nach etwas anderem als Kalk und Kies verlangt: Zadar liegt rund 45 Autominuten entfernt. Alte Gassen, Cafés, Geschichte — dieser Kontrast funktioniert erstaunlich gut.
Dann gibt’s noch eine Zielgruppe, die man hier nicht unterschätzen sollte: Winnetou-Fans. In der Region finden sich etliche Drehorte der alten Karl-May-Verfilmungen. Wer damit aufgewachsen ist, bekommt unterwegs automatisch diesen kleinen Nostalgie-Schub.
Weil der Platz von der Nationalparkverwaltung geführt wird, fühlt sich die Rezeption auch nicht wie ein reiner „Schlüssel-und-Kasse“-Schalter an. Dort bekommt man tatsächlich Substanz: Infos aus erster Hand, Wanderkarten, Kletterführer, Hinweise zu Routen, Sperrungen und dem, was gerade sinnvoll ist. Fragen werden beantwortet. Ohne Werbesätze. Einfach brauchbar.
Und nein: Luxus spielt hier keine Rolle. Gut so. Eine Poollandschaft, Animation oder Dauerbeschallung sucht man vergeblich — und wer genau das erwartet, ist hier wirklich am falschen Ort. Punkt. Die Ausstattung bleibt bewusst beim Nötigen: ein Sanitärgebäude, saubere Duschen, ordentliche Toiletten. Dafür wird sichtbar Wert auf Pflege gelegt. Die Anlagen sind auffallend sauber und werden regelmäßig gereinigt.
Das Publikum passt zum Setting: ein bunter Mix, aber auffällig viele Leute mit Kletterschuhen, Wanderstöcken oder staubigen Rucksäcken. Man merkt schnell, warum sie hier sind.
Bei uns lag der Preis bei etwa 28 Euro pro Nacht. Kein Spottpreis, klar. In Relation zur Lage und im Vergleich zu anderen Plätzen in der Gegend aber ein fairer Kurs — nachvollziehbar, nicht überzogen.
Unterm Strich war das für uns eine der stärksten Stationen der Kroatienreise: klein, ruhig, dicht dran an dem, weshalb man überhaupt herkommt. Dazu diese Lage, die einem fast schon den Tagesplan diktiert: Heute klettern? Wandern? Oder doch einfach nur morgens ins Meer springen und den Rest offenlassen? Wer keine Lust auf Massenabfertigung hat und lieber spontan entscheidet, wird sich hier ziemlich schnell heimisch fühlen.
Kontakt Camp Nationalpark Paklenica
Public Institution „Paklenica National Park“
Tel.: 00 385 / 23 / 369-155
Dr. Franje Tuđmana 14a
HR – 23244 Starigrad-Paklenica – CROATIA




